Wie du Garn erfolgreich ersetzen kannst
Hast du schon einmal die perfekte Häkelanleitung gefunden, nur um festzustellen, dass das empfohlene Garn nicht erhältlich, nicht mehr produziert wird oder einfach nicht deinem Geschmack entspricht? Glücklicherweise ist das Ersetzen von Garn unter Häklerinnen weit verbreitet und eröffnet viele kreative Möglichkeiten. Allerdings reicht es nicht aus, einfach eine ähnliche Farbe oder Faser auszuwählen.
Wenn du verstehst, wie Garnsubstitution funktioniert, kannst du sicherstellen, dass dein fertiges Projekt wie vorgesehen aussieht, sich gut anfühlt und die gewünschte Passform erhält. In diesem Leitfaden betrachten wir die wichtigsten Faktoren, die beim Ersetzen eines Garns in einer Häkelanleitung zu beachten sind.
Warum Garn ersetzen?
Es gibt viele Gründe, warum Häklerinnen ein anderes Garn verwenden als das in der Anleitung angegebene:
- Das Originalgarn ist in deinem Land nicht erhältlich.
- Das Garn wird nicht mehr hergestellt.
- Du bevorzugst eine andere Faser.
- Du möchtest Garn aus deinem Vorrat verwenden.
- Du passt das Projekt an ein anderes Klima oder eine andere Jahreszeit an.
Unabhängig vom Grund kann eine durchdachte Garnsubstitution hervorragende Ergebnisse liefern.
Schritt 1: Mit der Garnstärke beginnen
Der erste Schritt bei der Suche nach einem Ersatzgarn ist der Vergleich der Garnstärke. Die meisten Häkelanleitungen basieren auf einer bestimmten Garnstärke, die sich direkt auf Grösse und Fall des fertigen Projekts auswirkt.
Die Garnstärken werden wie folgt definiert:
- Cobweb (30–40+ WPI)
- Thread (30–40+ WPI)
- Lace (16+ WPI)
- Light Fingering (15–16 WPI)
- Fingering (14 WPI)
- Sport (12 WPI)
- DK (11 WPI)
- Worsted (9 WPI)
- Aran (8 WPI)
- Bulky (7 WPI)
- Super Bulky (5–6 WPI)
- Jumbo (0–4 WPI)
Wähle nach Möglichkeit ein Garn derselben Garnstärke wie das Originalgarn.
Beachte, dass die Bezeichnungen der Garnstärken je nach Land und Hersteller variieren können. Verlasse dich daher nicht nur auf die Bezeichnung, sondern vergleiche auch Maschenprobe und Lauflänge.

Schritt 2: Die Maschenprobe vergleichen
Die Maschenprobe beschreibt die Anzahl der Maschen und Reihen auf einer bestimmten Fläche, meist 10 cm.
Ein Ersatzgarn sollte eine ähnliche oder identische Maschenprobe ermöglichen wie die in der Anleitung angegebene. Selbst zwei Garne derselben Garnstärke können unterschiedliche Maschenproben ergeben.
Fertige vor grösseren Projekten immer eine Maschenprobe mit dem Ersatzgarn und der empfohlenen Häkelnadel an. Miss sorgfältig und passe die Nadelgrösse bei Bedarf an.
Eine passende Maschenprobe sorgt dafür, dass du ungefähr dieselbe Garnmenge benötigst und die fertigen Masse dem Originaldesign entsprechen. Stimmt die Maschenprobe nicht, wirst du wahrscheinlich mehr Garn benötigen.
Besonders wichtig ist die Maschenprobe bei:
- Kleidungsstücken
- Mützen, Handschuhen und Fäustlingen
- Socken
- Passgenauen Accessoires
- Designs mit Farbmustern oder speziellen Techniken
Bei Decken, Tüchern und vielen Wohnaccessoires ist eine exakte Maschenprobe oft weniger wichtig, sofern die Anleitung nichts anderes vorgibt.
Schritt 3: Lauflänge prüfen
Ein häufiger Fehler ist der Vergleich des Knäuelgewichts statt der tatsächlichen Lauflänge.
Beispiel:
- Garn A: 100 g = 400 m
- Garn B: 100 g = 220 m
Obwohl beide Knäuel gleich schwer sind, enthält Garn A fast doppelt so viel Garn.
Vergleiche deshalb immer die Lauflänge pro 50 g oder 100 g. Faserzusammensetzung, Spinntechnik und Garnkonstruktion beeinflussen die Anzahl der Meter pro Gewichtseinheit.
Berechne immer die insgesamt benötigte Lauflänge und ermittle daraus die Anzahl der Knäuel des Ersatzgarns.


Schritt 4: Die Faserzusammensetzung berücksichtigen
Die Faserwahl hat grossen Einfluss auf Aussehen und Verhalten des Projekts.
Tierische Fasern (Wolle, Alpaka, Mohair, Seide, Kaschmir, Angora, Yak usw.)
Sie bieten Wärme und Elastizität. Je nach Spinnart können sie luftig, flauschig oder dicht sein.
Pflanzliche Fasern (Baumwolle, Hanf, Leinen, Jute)
Sie sind atmungsaktiv, langlebig und meist weniger elastisch. Oft sind sie pflegeleichter als tierische Fasern.
Fasermischungen
Mischungen aus tierischen und pflanzlichen Fasern können besonders interessante Eigenschaften erzeugen. Das Ergebnis hängt von den Anteilen und der Spinntechnik ab.
Eine Änderung der Faserzusammensetzung kann das fertige Projekt deutlich verändern. Ein Cardigan aus Wolle verhält sich anders als derselbe Cardigan aus Baumwolle – selbst bei identischer Maschenprobe.
Schritt 5: Die Garnkonstruktion berücksichtigen
Auch bei gleicher Garnstärke, Maschenprobe und Faser können sich Garne unterschiedlich verhalten.
Manche Garne sind glatt und rund, andere flauschig, strukturiert, bandförmig oder locker versponnen. Diese Unterschiede beeinflussen das Maschenbild und das Erscheinungsbild des fertigen Projekts.
Versuche daher, ein Garn mit ähnlicher Struktur wie das Original zu wählen.
Schritt 6: An den Fall denken
Der Fall beschreibt, wie ein Stoff hängt und sich bewegt.
Weiche und fliessende Garne erzeugen meist mehr Fall, während festere Garne mehr Struktur bieten.
Für fliessende Kleidungsstücke und Tücher werden oft Garne mit gutem Fall verwendet, beispielsweise Merinowolle, Alpaka, Bambus, Seide oder entsprechende Mischungen.
Taschen, Körbe und Amigurumi benötigen dagegen eher ein festes Gewebe.
Frage dich deshalb immer, ob das Ersatzgarn ein ähnliches Gewebe erzeugen wird.


Schritt 7: Die Textur nicht vergessen
Effektgarne, gebürstete Garne, Bouclé-Garne oder stark strukturierte Garne können das Erscheinungsbild eines Projekts stark verändern.
Ein Spitzentuch aus glattem Garn verliert möglicherweise an Definition, wenn es mit einem flauschigen Garn gearbeitet wird. Ebenso können strukturierte Muster durch sehr bunte oder flauschige Garne weniger sichtbar werden.
Wenn die Anleitung stark von der Maschenstruktur lebt, sollte das Ersatzgarn eine ähnliche Textur besitzen.
Schritt 8: Vorher eine Maschenprobe häkeln
Selbst erfahrene Häklerinnen ersetzen Garn selten ohne vorherigen Test.
Eine kleine Maschenprobe zeigt:
- Ob die Maschenprobe passt
- Wie sich das Gewebe anfühlt
- Die Maschendefinition
- Den Fall
- Mögliches Dehnen nach dem Waschen
20 Minuten für eine Maschenprobe können später viele Stunden Frust ersparen.
Schritt 9: Wann du flexibler sein kannst
Nicht jedes Projekt erfordert eine perfekte Garnsubstitution.
- Decken lassen sich oft mit vielen verschiedenen Garnen arbeiten.
- Tücher können meist in der Grösse angepasst werden.
- Schals sind oft sehr unkompliziert.
- Dekorative Projekte bieten viel Raum zum Experimentieren.
Bei Kleidungsstücken lohnt sich dagegen eine sorgfältigere Auswahl und eine passende Maschenprobe.
Fazit
Garnsubstitution wirkt anfangs vielleicht einschüchternd, wird aber mit etwas Erfahrung deutlich einfacher. Wenn du Garnstärke, Maschenprobe, Lauflänge, Faserzusammensetzung und Stoffeigenschaften vergleichst, kannst du nahezu jedes Garn erfolgreich ersetzen.
Viele Häklerinnen betrachten Garnsubstitution nicht als Kompromiss, sondern als Möglichkeit, ein Projekt individuell zu gestalten. Mit etwas Planung und einer einfachen Maschenprobe steht erfolgreichen Garnsubstitutionen und wunderschönen Projekten nichts im Weg.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich in einer Häkelanleitung Baumwolle anstelle von Wolle verwenden?
Ja, aber rechne mit Veränderungen beim Fall, der Elastizität, der Wärmeleistung und dem allgemeinen Verhalten des Gewebes.
Kann ich eine andere Garnstärke verwenden als in der Anleitung empfohlen?
Ja, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:
- du kannst die Maschenprobe erreichen,
- du bist mit dem Aussehen und den Eigenschaften der Maschenprobe mit dem Ersatzgarn zufrieden.
Wie berechne ich, wie viel Ersatzgarn ich benötige?
Schritt 1: Berechne die insgesamt benötigte Lauflänge der Anleitung, Z = Anzahl Knäuel × Meter pro Knäuel.
Schritt 2: Ermittle die Lauflänge des Ersatzgarns, also Y = Meter pro Knäuel des Ersatzgarns.
Schritt 3: Berechne die benötigte Anzahl Knäuel des Ersatzgarns mit X = Z/Y.
Runde das Ergebnis immer auf die nächste ganze Knäuelzahl auf und ziehe in Betracht, ein zusätzliches Knäuel zu kaufen, wenn deine Maschenprobe von der Anleitung abweicht oder das Projekt eine grosse Garnmenge benötigt.
Oder nutze den Rechner unten:
Garnrechner für Garnsubstitutionen
