Bei Swiss Crochet feiern wir die Kreativität. In unserer Serie Meet the Maker stellen wir Designerinnen, Designer und kreative Köpfe vor, die mit ihrer Leidenschaft, ihrem Können und ihrer Fantasie das Handwerk zum Leben erwecken. Jeder Beitrag gibt dir einen Einblick in ihre Geschichte und zeigt ihre beeindruckenden Arbeiten.
Ich möchte dir Annie Rivasseau und Hiroko Payne vorstellen, das kreative Duo hinter The Hare and The Crow.
Annie und Hiro leben in Paris und verbinden ihre Kreativität und Leidenschaft für Garne, um wunderschöne, handgefärbte Fasern zu kreieren. Mit einem besonderen Augenmerk auf Farben, Texturen und Qualität kombinieren ihre Garne sorgfältig ausgewählte Materialien mit unverwechselbaren Farbkompositionen und eröffnen damit vielfältige Möglichkeiten für inspirierende Häkel- und Strickprojekte.


Könnt ihr uns ein wenig über euch erzählen?
Hiro stammt ursprünglich aus Los Angeles, Kalifornien, und lebt heute in Paris, Frankreich. Sie studierte Bildende Kunst mit Schwerpunkt Druckgrafik und ist seit 2011 in der Garnbranche tätig und entwirft Strickdesigns. Ihre Begeisterung fürs Stricken begann im Alter von 9 Jahren, als ihre Mathematik-Nachhilfelehrerin ihr das Stricken beibrachte.
Annie wuchs in Osceola, Wisconsin, auf und lebt heute in Orsay, Frankreich. Sie hat einen Abschluss in Medien und Kommunikation und war im Laufe ihrer Karriere in verschiedenen Bereichen tätig, darunter Fernsehen und Radio, Veranstaltungsorganisation und öffentliche Bibliotheken, bevor sie schliesslich ihren Weg in die Garnbranche fand. Ihre Leidenschaft für Handarbeiten mit Garn begann schon früh: Mit 6 Jahren lernte sie das Häkeln und mit 14 das Stricken, beides von ihrer Mutter.




Wo kommen Verspieltheit und Experimentierfreude bei eurer Arbeit am natürlichsten zum Ausdruck?
Durch Farben und Texturen!
Beim Färben unserer Garne können wir jeden Tag experimentieren, neue Farbrezepturen entwickeln und verschiedene Farbkombinationen ausprobieren. Dabei sehen wir nicht nur, wie die Farben auf einem einzelnen Strang wirken, sondern auch, wie die verschiedenen Stränge miteinander harmonieren, wenn sie gemeinsam in einem gestrickten (oder gehäkelten, gewebten usw.) Stück verwendet werden.
Die Philosophie hinter The Hare and The Crow ist, unsere Garne so zu verwenden, wie man Farben auf einer Leinwand einsetzen würde. Es geht darum, Farben und Materialien bewusst auszuwählen und eine Kombination zu finden, die sich für das jeweilige Projekt richtig anfühlt und es zu etwas Einzigartigem für die Person macht, die es gestaltet.
Welche Fähigkeit oder Erkenntnis hat eure kreative Arbeit seit euren Anfängen am stärksten verändert?
Annie: Dass nicht alles perfekt sein muss. Als ängstliche Perfektionistin ist das eine schwierige Lektion, aber durch das Handarbeiten habe ich gelernt, dass gerade die kleinen Unterschiede etwas besonders und einzigartig machen. Es macht Spass, beim Gestalten improvisieren und Risiken eingehen zu können, anstatt immer zu versuchen, etwas «richtig» zu machen.
Hiro: Die Erkenntnis, dass ich nicht weiss, was ich alles nicht weiss. Ich bin mit viel kreativem Tatendrang und einer klaren Vorstellung davon, was ich erschaffen wollte, an die Sache herangegangen. Was ich erst lernen musste, war, wie man einen Arbeitsprozess entwickelt, die Gründe dahinter versteht und akzeptiert, dass ich das Rad nicht neu erfinde. Fast immer hat sich schon jemand vor mir mit einem Teil des Problems beschäftigt. Nach diesem Wissen zu suchen, oft auch in Bereichen, die auf den ersten Blick nichts damit zu tun haben, hat meine Arbeit und meine Denkweise mehr als einmal verändert. Die Bereitschaft, immer weiterzulernen und sich eines Besseren belehren zu lassen, war für mich wertvoller als jede andere einzelne Erkenntnis.
Wenn ihr einen Aspekt der Handarbeitskultur für zukünftige Generationen bewahren könntet, welcher wäre das?
Zuerst das «Warum» verstehen und dann die Fähigkeiten erlernen, um das «Wie» herauszufinden. Meistens gibt es bestimmte Gründe dafür, warum etwas so aussieht, sich so anfühlt, so fällt oder so geformt ist, wie es ist. Sobald man das Warum kennt, ergibt auch das Wie viel mehr Sinn.
Beim Färben liegt das Warum in der Chemie und den Fasern. Zu verstehen, warum eine Farbe schnell oder langsam aufgenommen wird oder warum eine Garnbasis anders auf die Farbe reagiert als eine andere, ermöglicht gleichbleibende Ergebnisse und gibt einem gleichzeitig die Sicherheit, Neues auszuprobieren. Beim Entwerfen von Anleitungen liegt das Warum im Zusammenspiel zwischen dem Maschenbild und der Form. Diese Technik wird aus genau diesem Grund auf diese Weise gearbeitet, dieser Zwickel befindet sich an dieser Stelle, weil sich der Arm so bewegen können muss, und so weiter. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann die Passform an den eigenen Körper anpassen, Garne sinnvoll austauschen und Fehler beheben, ohne gleich in Panik zu geraten.
Anleitungen blind zu folgen oder ein fertiges Objekt zu besitzen, ohne zu verstehen, wie es hergestellt wurde, mindert den Wert sowohl des Objekts als auch des handwerklichen Könnens, das dahintersteckt. Mit einer Anleitung kann man ein einzelnes Objekt herstellen. Mit Verständnis kann man auch alle weiteren Objekte erschaffen.






